05.05.2017 07:59 Alter: 140 days
Kategorie: Niners, Startseite

Erhobenen Hauptes ausgeschieden

Noch Minuten nach Spielende wurden die NINERS Chemnitz vom Publikum in der Richard-Hartmann-Halle frenetisch gefeiert.


Dass sie soeben die wichtigste Partie der Saison denkbar knapp und unglücklich verloren hatten, war in jenem Moment nur an den Tränen in ihren Augen zu erkennen. Doch sie konnten mit stolz geschwellter Brust ihre Ehrenrunde drehen, jedes Lob, jedes Schulterklopfen, jedes aufmunternde Wort gänzlich ohne Reue entgegennehmen. Denn an diesem Mittwochabend waren die NINERS keine Verlierer, sondern das beste Team, welches Chemnitz je gesehen hatte und Sieger im Herzen tausender Basketballfans. Es fehlte nur ein klitzekleiner Funken zur riesigen Sensation, zum Aufstieg in die erste Liga, den letztlich die Oettinger Rockets aus Gotha dank eines hauchdünnen, aber dennoch absolut hochverdienten 70:67-Erfolges im fünften und entscheidenden Spiel der Playoff-Halbfinal-Serie feiern durften.

Die große Chance, in Deutschlands Basketball-Beletage aufzusteigen, ließ beide Teams zunächst sehr nervös beginnen. So prägten hastige Aktionen, Ballverluste und vergebene Würfe die ersten Spielminuten in der mit nahezu 2.700 Zuschauern restlos ausverkauften „Hartmann-Hölle“.  Dem recht verhaltenen 11:11-Auftakt im Startviertel ließen die NINERS dann aber im zweiten Durchgang ein echtes Feuerwerk folgen. Dreier Jonas Richter, Dreier Daniel Mixich, Dreier Craig Bradshaw und schon war Chemnitz auf 22:11 enteilt. Gothas Darrel Mitchell konterte mit einem Distanztreffer plus Bonusfreiwurf und erhielt Unterstützung von Center Robert Oehle, der sich immer wieder am Brett durchsetzte. Jedoch gelang es den NINERS, die Last auf mehrere Schultern zu verteilen und so waren es nun Virgil Matthews, Martin Seiferth und Chris Carter, welche die nächsten Chemnitzer Punkte erzielten und ihr Team mit einer 36:27-Führung in die Halbzeitpause brachten.

Nach dem Seitenwechsel blieb die „Orange Army“ weiter auf dem Gaspedal und lieferte Highlights am Fließband. Ob Matthews und Ziegenhagen mit energischem Zug zum Brett, Carter per Korbleger plus Foul oder ein traumhaft ausgespielter Fastbreak über alle drei zusammen – die Offensivmaschinerie der NINERS war kaum aufzuhalten und zwang Gästetrainer Ivan Pavic beim Stand von 47:35 für Chemnitz zur Auszeit. Im Anschluss stellten die Rockets defensiv um, machten die Zone dicht, gestatteten Sachsens besten Korbjägern in den verbleibenden 13 Spielminuten keinen einzigen Korbleger mehr und setzten darauf, dass die Dreier der NINERS irgendwann nicht mehr fallen würden. Ein Spiel mit dem Feuer, doch der Plan ging auf. Gotha verkürzte bis zur letzten Viertelpause auf 41:48 und kam vor allem dank zweier Distanztreffer von Max DiLeo zu Beginn des Schlussabschnittes schnell zum 53:53-Ausgleich. NINERS-Coach Rodrigo Pastore reagierte mit einer Auszeit, in deren Folge Kapitän Michael Fleischmann sein Team noch einmal in Führung brachte.

Auf Seiten der Gäste übernahm nun Mitchell, der Chemnitz in den vorherigen vier Partien durchschnittlich 18 Punkte eingeschenkt hatte und auch im entscheidenden fünften Duell pünktlich zur Crunchtime aufdrehte. Mit drei staubtrockenen Dreiern bescherte er seinen Rockets nach 37 Spielminuten eine 64:60-Führung, doch die NINERS blieben dran. Angetrieben vom einzigartigen Publikum der Richard-Hartmann-Halle kämpften sie leidenschaftlich um jeden Ball und schienen dafür auch belohnt zu werden, als Virgil Matthews 44 Sekunden vor Schluss vom Perimeter zum 64:64-Ausgleich traf. Es passte einfach zur Dramatik jener Serie, dass die Entscheidung über den Aufstieg nach fünf hart umkämpften Partien erst im allerletzten Moment fallen sollte. Und dieser gehörte schließlich Darrel Mitchell, welcher nun den spielentscheidenden Dreier genau durch die Reuse mitten ins Chemnitzer Basketballherz jagte und somit seine Oettinger Rockets in die Bundesliga führte.

 

STATISTIK:

NINERS Chemnitz vs. Oettinger Rockets 67:70 (11:11, 25:16, 12:14, 19:29), 2.689 Zuschauer

Carter (13 Punkte), Matthews (13), Seiferth (8), Bradshaw (6), Lawson (6), Richter (6), Fleischmann (5), Mixich (5), Ziegenhagen (5)